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veröffentlicht am 26.04.2018

Russland schickt schwimmendes Tschernobyl in die Arktis

Am 26. April 1986 – vor 32 Jahren – hat sich in Tschernobyl die größte zivile Nuklearkatastrophe der Geschichte ereignet. Tausende Menschen erkrankten infolge der hohen Strahlenbelastung an Krebs. Riesige Gebiete sind bis heute noch nicht wieder bewohnbar. Trotz dieser Katastrophe gibt es noch immer zahlreiche Atomkraftwerke weltweit. Nun arbeitet Russland sogar an schwimmenden AKWs. Ein solches soll in den nächsten Wochen in Betrieb gehen. Dabei sind die Mini-Reaktoren alles andere als sicher und stellen eine Gefahr für Menschen und Umwelt dar.

Derzeit ist der mit dem Atomreaktor “Akademik Lomonosov” beladene Lastkahn auf dem Weg von St.Petersburg nach Murmansk, vorbei an der deutschen Ostseeküste. Dort sollen die Reaktoren beladen und getestet werden. Das Anfahren des Reaktors ist besonders riskant. Sind alle Rohre dicht? Hält jede Manschette, jede Schweißnaht den Belastungen und dem Druck stand? Funktioniert die schnelle Notabschaltung? Bei ähnlichen atomaren Anlagen auf Eisbrechern oder Kriegsschiffen kam es in Russland bereits zu Unfällen – mit insgesamt 29 Toten. In Murmansk wären bei einem Unfall rund 300.000 Menschen direkt betroffen.

Abgelegene Regionen wirtschaftlich beleben

Ist die Testphase vorüber, kommt die “Akademik Lomonosov" 2019 an ihren eigentlichen Bestimmungsort: Pewek, eine 5000-Seelen-Gemeinde im Nordosten Russlands. Die 70-Megawatt-Anlage kann eigentlich 100.000 Einwohner versorgen; das gibt der Region die Möglichkeit eines Wirtschaftsaufschwungs. Läuft dieses schwimmende Atomkraftwerk nämlich gut, soll eine ganze Flotte folgen. Genaue Zahlen sind noch nicht bekannt. Der Plan ist, die von der Flotte produzierte Energie für die Ölförderung zu nutzen. Wenn die Erderwärmung die Häfen Sibiriens von Eis befreit hat, sind neue Gebiete dafür erschließbar. Auch China hat im vergangenen Jahr mit dem Bau eines Prototyps solch einer Anlage begonnen. Sie soll in abgelegenen Inseln im südchinesischen Meer zum Einsatz kommen. Insgesamt sind 20 solcher AKWs geplant.

Exportschlager Atomkraftwerk

Verglichen mit Atomkraftwerken auf dem Land sind die schwimmenden Modelle relativ klein. Russland und China wollen damit eine Stromversorgung für Menschen in extrem abgelegenen Gebieten wie dem hohen Norden Sibiriens oder auf fernen Inseln schaffen. Die Idee dahinter ist daraus einen Exportschlager zu machen. Sie haben schon in einigen Inselstaaten wie Indonesien, den Philippinen oder den Kapverdischen Inseln für ihre Idee geworben.

Doch die schwimmenden Kleinreaktoren sind gefährlich und teuer. Erneuerbare Energien wären nicht nur sicherer, sondern auch günstiger. Selbst in Sibirien, wo eine Kombination aus Sonnen-, Wind- und Wasserkraft sowie Energiespeicherung benötigt würde, wäre das immer noch billiger, als ein kleines Atomkraftwerk durch die Gegend zu schiffen.

Ein hochriskantes Projekt

Und noch viel wichtiger: Menschen und Umwelt sind durch dieses Projekt unnötigen Risiken ausgesetzt. Die Risikotechnologie Atomenergie wird auf einem Schiff noch unsicherer, und sie soll genutzt werden, um mehr klimaschädliches Öl und Gas in der Arktis auszubeuten. Abgebrannte, hochradioaktive Brennstäbe würden dann bis zu zwölf Jahre an Bord lagern, um den Einsatzzeitraum auszudehnen. Ohne eigenen Motor und mit flachem Rumpf ist die schwimmende Konstruktion besonders anfällig für Stürme und raue See. Zudem ist die Anlage nach Auffassung von Greenpeace nicht ausreichend gegen terroristische Anschläge geschützt. Diese Gefahr müssen wir aufhalten!

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