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veröffentlicht am 28.04.2020

Vorläufiger Rückzug der OMV aus Neuseeland wegen COVID-19: Tiere und Menschen vor Ort können aufatmen

Nach vielen Protesten und Demonstrationen im vergangenen Jahr sieht die OMV, als letzter großer internationaler Öl- und Gas-Konzern vor der Küste Neuseelands, aufgrund der COVID-19-Pandemie vorläufig von weiteren Erkundungsbohrungen ab. Fürs Erste können die BewohnerInnen der sensiblen Ökosysteme und Küstengemeinden aufatmen. Auch für unseren Planeten bedeutet das eine Verschnaufpause: Denn Öl- und Gasförderungen befeuern die Klimakrise. Greenpeace fordert, dass die OMV ihre Bohrvorhaben in Neuseeland gänzlich aufgibt.

Von Merle Larro

Der österreichische Mineralölkonzern OMV hat angekündigt, aufgrund der COVID-19-Krise die geplanten Öl- und Gasbohrungen in Neuseeland vor der Taranaki Küste auf unbestimmte Zeit zu verschieben. Im Great South Basin blieb die Suche nach Öl und Gas bisher erfolglos und kostete die OMV 80 Millionen Dollar. Allerdings vermeldete die OMV, vor der Taranaki-Küste potenzielle Öl- und Gasreserven gefunden zu haben. Die OMV ist der letzte große internationale Konzern, der in Neuseeland noch tätig ist. Sieben Explorationslizenzen betreibt der Öl- und Gaskonzern aus Österreich in den neuseeländischen Gewässern. Fünf der Lizenzen liegen vor der Küste Taranaki, eine im Pegasus Becken und eine weitere im entlegenen Great South Basin. Als eines der 100 größten fossilen Unternehmen weltweit ist die OMV für 70 Prozent der Emissionen seit 1988 und somit maßgeblich für die Erderhitzung mitverantwortlich. Seit 20 Jahren ist die OMV nach eigenen Angaben in Neuseeland tätig; Allein im vergangenen Jahr fanden zahlreiche Demonstrationen und Proteste gegen die Aktivitäten der OMV in Neuseeland und in Österreich statt.

Sucht und fördert die OMV nach Öl und Gas, ist das aus viele Gründen problematisch: Zum einen trägt das Vorhaben zur Klimakrise bei. Zudem werden vor Ort wertvolle Ökosysteme und die Lebensgrundlage von vielen Küstengemeiden und der Māori-Bevölkerung bedroht. Methan, das bei Förderung und Transport von Gas oft durch undichte Stellen entweichen kann, ist 28 mal klimaschädlicher als CO2 - dabei wird Gas oft als “saubere” Variante zu Öl gesehen. Das Lizenzgebiet vor der Taranaki Küste überschneidet sich mit dem einzigen Nahrungshabitat für Blauwale in Neuseeland. In der Nähe ist zudem ein wichtiger Lebensraum der stark gefährdeten Māui Delfine, von denen es weltweit nur noch rund 60 Tiere gibt. Ein Ölunfall hätte katastrophale Folgen. Auch die Region des Great South Basin beheimatet eine reiche Artenvielfalt mit vielen bedrohten Spezies: Glattwale, seltene neuseeländische Seelöwen, Seevögel wie Albatrosse und Sturmtaucher und die Delfinart der Großen Tümmler sind hier zu Hause. Tiefer in den Gewässern leben verschiedene Walarten wie Pottwale, Schnabelwale, Buckelwale und Grindwale. Für die indigene neuseeländische Bevölkerung wird die durch Öl- und Gasbohrungen befeuerte Klimaerhitzung verheerende Konsequenzen haben: Der Anstieg des Meeresspiegels wird Māori-Küstengemeinden überfluten und auch die traditionelle Fischerei der Māori ist durch die Ozeanversauerung stark bedroht.

Im April 2018 protestierten tausende Menschen in Neuseeland an der Seite von Greenpeace - mit Erfolg: Die Regierung verkündete, in Zukunft keine neuen Lizenzen für Öl- und Gasbohrungen in den neuseeländischen Gewässern mehr zu vergeben. Allerdings sind die bereits vergebenen Lizenzen, wie die der OMV, davon nicht betroffen. Im Juli besetzten Greenpeace-AktivistInnen das 116 Meter hohe Gebäude der OMV-Zentrale in Neuseeland. Im Oktober organisierte Greenpeace Österreich eine Pressekonferenz mit dem neuseeländischen Klimaaktivisten und Māori-Vertreter Mike Smith. Smith kündigte an, beim Internationalen Strafgerichtshof eine Strafanzeige gegen Rainer Seele, Vorstandsvorsitzender und Generaldirektor der OMV einzureichen. Wenige Tage später protestierte Smith gemeinsam mit Greenpeace-AktivistInnen vor der OMV-Zentrale. Zwei meterhohe Wal-Skulpturen und ein inszenierter Ölunfall symbolisierten das Risiko von Offshore-Bohrungen. Die OMV war bereits für mehrere Ölunfälle in Neuseeland verantwortlich, zuletzt im Jahr 2015, als 300 Liter Öl in der Nähe der Lebensräume von Blauwalen und Māui Delfinen ins Meer flossen. Im November 2019 wurde bei einem Greenpeace-Protest im neuseeländischen Hafen von Timaru ein OMV-Versorgungsschiff besetzt. Ein klares Zeichen der Kritik setzten auch Fridays For Future kurz darauf am 29. November in Wien: der 4. Globale Klimastreik startete vor der OMV-Zentrale. Eine Woche nach der Besetzung der Skandi Atlantic blockierten 100 UmweltschützerInnen in einem dreitägigen Protest das OMV-Büro im neuseeländischen New Plymouth, der größten Stadt in der Region Taranaki. An dem Protest beteiligt waren auch die österreichische Greenpeace-Aktivistin Magdalena Bischof und etliche andere Organisationen wie Extinction Rebellion, School Strike 4 Climate und 350 Aotearoa.

Auch wenn die OMV ihre Bohrpläne in Neuseeland aktuell ausgesetzt hat - die Forderung bleibt bestehen: Die OMV muss aus fossilen Energien aussteigen und die Zukunft des Konzerns neu denken. Erneuerbare Energien sind der Schlüssel zu einer lebenswerten Zukunft für uns, unsere Enkelkinder und für die Artenvielfalt unseres Planeten. Deshalb fordert Greenpeace von der OMV, die Bohrpläne ein für alle Mal zu stoppen, die Lizenzen aufzugeben und einen Richtungswechsel zu vollziehen, hin zu erneuerbaren Energien. Nur so kann das österreichische Unternehmen Verantwortung für unseren Planeten übernehmen. Und nur so können wir es schaffen, das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens zu erreichen und damit die schlimmsten Auswirkungen der Klimaerhitzung stoppen.

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