veröffentlicht am 22.02.2022

Ölkatastrophen weltweit

Schmutziges schwarzes Gold: Wie Ölkatastrophen die Lebensgrundlage für Menschen und Tiere zerstören

Seit Jahrzehnten ist Erdöl eine der wichtigsten Grundlagen für unsere Industriegesellschaft. Doch Erdöl kommt mit fatalen – teilweise tödlichen – Folgen für Umwelt, Klima, Menschen und Tiere. Immer wieder kommt es bei Suche, Förderung, Transport und Verarbeitung zu Katastrophen, die komplette Ökosysteme für viele Jahre nachhaltig schädigen.

Drohnenaufnahme der durch den Tankerunfall in Peru verschmutzten Strände - © Musuk Nolte / Greenpeace

Die großen Ölunfälle der Vergangenheit, z.B. der Tankerunfall der “Exxon Valdez”, die Explosion der Bohrplattform “Deepwater Horizon” oder die andauernde westsibirische Ölkatastrophe, haben sich in das Gedächtnis der Menschen eingebrannt. Und es hört nicht auf: In den ersten Wochen des Jahres 2022 ereigneten sich bereits Ölverschmutzungen in Peru, Ecuador, Thailand und Nigeria. Und vor der Küsten Jemens liegt seit Jahren ein Öltanker, der eine tickende Zeitbombe ist.

Die Auswirkungen von Ölunfällen auf Tiere

Für die Tierwelt ist ein Ölunfall eine Katastrophe. Das ausgetretene Öl verschmutzt das Gefieder von Wasservögeln. Dadurch kühlt der Vogel aus und stirbt. Bei vielen Tieren führt die Verschmutzung auch zur Schwächung des Immunsystems, wodurch sie sterben. Außerdem verschlucken verschmutzte Vögel und Säugetiere das Öl, wenn sie versuchen, ihr verunreinigtes Gefieder oder Fell zu reinigen. Doch oft sind die langfristigen Auswirkungen einer Ölpest nicht mit dem bloßen Auge zu erkennen. Viele Tiere, die anfangs der Verschmutzung ausgesetzt sind, können diese zwar überstehen, leiden dann aber über Jahre hinweg an gesundheitlichen Folgen.

Durch Öl verschmutzte Vögel nach einem Tankerunfall in Russland im Jahr 2015 © Mikhail Pyzhov / Greenpeace

Die Auswirkungen von Ölunfällen auf Menschen

Abseits der gesundheitlichen Folgen zerstört ein Ölunfall auch oft die finanzielle Lebensgrundlage der Menschen vor Ort. Denn viele lokale und indigene Gemeinschaften sind stark von Fischerei und den Einnahmen daraus abhängig. Durch Verschmutzungen wird der Zugang zu Fanggebieten eingeschränkt, große Populationen an Fischen sind tot oder verschmutzt und oft sind Schäden an Fischen auch noch lange Zeit nach dem Ölunfall feststellbar. Oft klagen Fischer auch darüber, dass Menschen das Vertrauen in die lokale Fischerei verlieren und Angst haben, bei ihnen zu kaufen.

Peru: Nach dem Tsunami kam die Ölpest

Der verheerende Vulkanausbruch in Tonga im Jänner 2022 war auch noch tausende Kilometer entfernt zu spüren. Denn durch den ausgelöste Tsunami liefen beim Ausladen eines Öltankers fast 1,9 Millionen Liter Rohöl aus – ca. 1.400 Hektar Meer, Strände und Naturreservate wurden verschmutzt und die peruanische Regierung rief den Umwelt-Notstand aus. Die Ölkatastrophe hat dramatische Auswirkungen auf die lokalen Fischergemeinden und bedroht auch die beiden Naturschutzgebiete Ancón und Islotes des Pescadores, die wichtige Brut-, Rast- und Nahrunsgebiete für Seevögel sind.

Arbeiter säubern die durch den Tankerunfall in Peru verschmutzten Strände - © Musuk Nolte / Greenpeace

Thailand: Eine Serie von Ölunfällen

Wenige Tage nach der Ölkatastrophe vor Peru kam die nächste Hiobsbotschaft – dieses Mal aus Thailand. Rohöl aus einer undichten Unterwasser-Pipeline verschmutzt im Golf von Thailand eine Fläche von über 16 Quadratkilometern. Der berühmte tropische Sandstrand Mae Ram Phueng Beach rund 200 Kilometer südöstlich von Bangkok musste für Besucherinnen und Besucher geschlossen werden. Und kurz danach liefen aus der Pipeline weitere 5000 Liter Öl aus.

Für die Meerestiere – z.B. Mantarochen, Delfine, Barrakudas und Korallen – sind die Ölunfälle ein Desaster. Denn das Gebiet erholt sich eigentlich gerade erst von einer früheren Ölpest. Im Jahr 2013 traten in der gleichen Gegend 50.000 Liter Rohöl aus einem Rohr aus. Es dauerte mehr als fünf Jahre, bis sich das Meeresleben regeneriert hatte. Experten schätzen, dass ein Fünftel der Meereslebewesen in den betroffenen Gebieten gestorben ist.

Verschmutzte Strände in Thailand nach dem Austreten von Öl aus einer Unterwasserpipeline - © Chanklang Kanthong / Greenpeace

Ecuador: Giftiges Öl mitten im Regenwald

Ecuador besitzt die drittgrößten Ölreserven in Südamerika und produziert pro Jahr rund 175 Millionen Barrel Öl. Auch der Amazonas-Regenwald in Ecuador bleibt davon nicht verschont. Anfang Februar 2022 beschädigte ein Erdrutsch aufgrund von heftigen Regenfällen eine Ölpipeline im Regenwald. Rund 6.000 Barrel (jeweils 159 Liter) Öl sind ausgelaufen und erreichen mittlerweile Flüsse, die etwa 300 Kilometer entfernt sind. Die Wasser- und Nahrungsversorgung vieler indigener Gemeinden ist durch die Ölunfälle immer wieder gefährdet.


Wie in Thailand, bedroht die Ölpest auch in Ecuador einen nahegelegenen Nationalpark. Im Nationalpark Cayambe Coca kommen mehr als 100 Pflanzenarten vor, die nur in Ecuador zu finden sind. Dazu kommen 106 Säugetierarten wie Brillenbären, Andenschakale und fast 400 Vogelarten, darunter der ikonische Andenkondor.

Nigeria: Eine Tanker-Explosion fordert Menschenleben

Anfang Februar kam es zu einer Explosion auf dem 46 Jahren alten Ölförderschiff “Trinity Spirit” vor der Küste des westafrikanischen Nigeria. Dieser tragische Unfall forderte mehrere Todesopfer und ließ den Tanker sinken. Es wird vermutet, dass der Tanker 50,000-60,000 Barrel Rohöl gelagert hatte.

Nigeria ist der größte Ölproduzent des afrikanischen Kontinents und Rohöl ist die wichtigste Einnahmequelle des mit gut 200 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern bevölkerungsreichsten Landes Afrikas. Im Nigerdelta wird seit über 50 Jahren Öl gefördert und es kommt immer wieder zu weitflächiger Ölverschmutzung, welche Sümpfe, Flüsse und Trinkwasser verschmutzen.


Jemen: Ein alter Öltanker als tickende Zeitbombe

Nicht nur aktuelle Ölunfälle stellen eine enorme Gefahr für die Umwelt sowie Tiere und Pflanzen dar. Der schrottreife Tanker FSO Safer liegt seit Jahren vor der Küste Jemens. Mehr als 1,1 Millionen Barrel Öl befinden sich noch im Tanker. Die UNEP, das Umweltprogramm der Vereinten Nationen, warnt vor einer humanitären, aber auch Umwelt- und Wirtschaftskatastrophe im Roten Meer durch Lecks sowie einer möglichen Explosion des Öltankers, sollte er nicht gewartet werden.

Das Rote Meer gilt als globaler Hotspot der Artenvielfalt, unter anderem, weil es mehr als 16.000 Quadratkilometer Korallenriffe beherbergt. Einige der Korallen sind sehr ungewöhnlich, weil sie relativ große Schwankungen der Meerestemperatur aushalten können. Die hitzeresistenten Korallen des Roten Meeres könnten eines der wenigen Riff-Ökosysteme sein, die überleben, wenn andere Riffe von der Erhitzung der Ozeane stark betroffen sind.

Greenpeace hat mit mehreren Szenarien aufgezeigt, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis es hier zu einer Ölkatastrophe kommt. Das schlimmste Szenario könnte viermal so groß wie der Ölunfall des Tankers Exxon Valdez 1989 vor der US-Küste werden, der das ganze Ökosystem vor Ort zerstörte.

Wir müssen die Abhängigkeit von Öl beenden

All diese Ölkatastrophen reihen sich in eine furchtbare Liste von Tank- und Bohrunfällen der letzten Jahrzehnte ein, die den Lebensunterhalt von Menschen bedroht und ganze Ökosysteme zerstört haben. Die langfristigen Folgen der fossilen Industrie sind für uns alle spürbar: Ölkonzerne treiben die Klimaerhitzung enorm an. Dadurch werden wiederum extreme Stürme, Überschwemmungen, Dürren und Brände stärker und häufiger. Mit der Klimakrise geht die Krise der Natur Hand in Hand: Sensible Lebensräume brechen zusammen und Arten sterben aus.

Greenpeace setzt sich mit aller Kraft für den Schutz der Artenvielfalt und für den Ausstieg aus fossilen Energien ein – damit solche Katastrophen in Zukunft der Vergangenheit angehören und die Klimakrise nicht noch weiter angeheizt wird.

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