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veröffentlicht am 12.10.2017

Dong Liansai über Chinas Kampf gegen den Feinstaub

„Der Smog birgt viele Gefahren“

Dong Liansai ist Energieexperte bei Greenpeace Asien. Im Interview erklärt er, inwiefern die Luftverschmutzung Einfluss auf seinen Alltag in Peking hat und was er sich von der Energiepolitik der Volksrepublik in Zukunft erhofft.

Seit einigen Wochen hat der Smog China erneut fest im Griff: Autobahnen mussten gesperrt und Flüge gestrichen werden. Inwiefern beeinflusst die Luftverschmutzung den Alltag der Menschen?

Abgesehen von der oft stark eingeschränkten Sicht sind es vor allem die gesundheitlichen Folgen, die uns zu schaffen machen. Der Smog birgt hier viele Gefahren und kann zu Herz- und Atemwegserkrankungen, Lungenkrebs oder Asthma führen.

Was kann man tun, um sich zu schützen?

Greenpeace rät dringend zum Einsatz von Atemschutzvorkehrungen. Neben dem Tragen von Schutzmasken oder dem Einsatz von Luftreinigern sollten auch Outdoor-Aktivitäten vermieden werden.

In einigen Städten wurde zuletzt die „Alarmstufe Rot“ ausgerufen. Was bedeutet diese Maßnahme und wie reagiert man in solch einer Situation?

Die „Alarmstufe Rot“ tritt bei einem massiven Übertritt der Schadstoff-Grenzwerte in Kraft. Insgesamt gibt es vier Stufen. Stufe Rot ist der Extremfall mit der höchsten Luftverschmutzung und bringt daher die strengsten Konsequenzen mit sich: Schulen werden geschlossen, der Verkehr stark limitiert. Auch Fabriken und Bauarbeiten werden eingestellt.

Studien zufolge waren die Feinstaubwerte in Hong Kong zuletzt dreimal so hoch wie in New York. Immer mehr Menschen leiden oder sterben sogar an den Folgen der Luftverschmutzung. Wie reagiert die chinesische Regierung auf die derzeitige Situation?

China ist sehr um einen Fortschritt bemüht. Greenpeace hatte anhand von offiziellen Messwerten der Regierung sowie Daten der US-amerikanischen NASA belegen können, dass es bereits zwischen 2014 und 2015 einen positiven Trend gab. Im Moment warten wir noch auf die Werte des vergangenen Jahres 2016, um eine aussagekräftigere Bilanz ziehen zu können.

Was muss deiner Meinung nach im Kampf gegen den Smog geschehen? Handelt die Regierung ausreichend?

Es gilt vor allem die Unternehmen bei den Industrieemissionen zum Handeln zu bewegen, damit zukünftig der Luftverschmutzung Einhalt geboten werden kann. Greenpeace fordert hier vor allem das Ministerium für Umweltschutz MEP (Anm.: „Ministry of Evironmental Protection of the People´s Republic China“) auf, sich mehr um die Einhaltung der Emissions-Auflagen zu kümmern. Vor allem Verstöße in Zeiten von überhöhten Smogwerten müssen mit den höchstmöglichen Strafen geahndet werden. Bei wiederholtem Vergehen muss das betreffende Unternehmen auf die sogenannte „Phase-Out-Liste“ gesetzt werden.

Anfang des Jahres hat China angekündigt, umgerechnet 343 Milliarden Euro in erneuerbare Energien zu investieren. Steht die Energiepolitik der Volksrepublik an einem historischen Wendepunkt?

China hat wesentliche Schritte im Bereich Wind- und Solarenergie unternommen. Greenpeace würde dennoch eine Beschleunigung der Energiewende begrüßen. Kohle muss möglichst bald vom Markt verschwinden, damit saubere Luft sowie geringe CO2-Ausstöße garantiert werden können.

Welche Hoffnung hast du für die Zukunft? In einigen Städten Europas kommt die Luftverschmutzung jener in den Industrieregionen Chinas nahe. Welchen Ratschlag würdest du den europäischen Metropolen mit auf den Weg geben?

Wichtig ist es, dass das öffentliche Bewusstsein für die gesundheitlichen Gefahren der Luftverschmutzung gestärkt wird. Zeitgleich müssen sich die Regierungen einen ambitionierten und strikten Zeitplan für die Verbesserung der Luftwerte setzen. Vor allem von der Kohle muss dringend Abschied genommen werden. Alternativ sorgen erneuerbare Energien nicht nur für eine Verbesserung der Luftqualität, sie reduzieren auch die nationalen CO2-Ausstöße deutlich. Global gesehen wäre das für den Klimaschutz ein großer Gewinn.

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